Mittwoch, 10. Februar 2016

Das Märchen von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie



Kaum hatte ich gestern den Beitrag abgesetzt, erhielt ich auch schon einen Anruf. Die Arbeit rief. Man wolle mir mitteilen, dass ich am 2. und 3. Tag nach meiner Rückkehr voll arbeiten müsse. Das sei eine Anweisung von ganz oben. Im Änderungsvertrag sei - trotz meiner vereinbarten Teilzeit - ja festgelegt, dass diese aufgrund wichtiger Anlässe entfallen kann. Das würde ich doch irgendwie hinkriegen, oder...!?
Heute - noch vor dem Frühstück - der nächste Anruf. Ich wäre gestern so komisch gewesen. Das Gespräch war noch keine 30 Sekunden alt, da wurde ich schon wieder dezent darauf hingewiesen, dass das mit den zwei Tagen nicht verhandelbar sei, sondern eine Pflicht, die ich nicht umgehen könne.
Ich glaube, bevor ich kündige, schraube ich gleich am ersten Morgen die Tafel am Eingang ab, die darauf hinweist, was für ein familienfreundliches Unternehmen wir sind.

Dienstag, 9. Februar 2016

Ausstand statt Einstand



Ich habe es mir schon mal ausgerechnet. Bei einer Kündigungsfrist von 6 Wochen zum Quartalsende muss ich genau an meinem ersten Arbeitstag nach der Elternzeit kündigen. Und, was soll ich sagen? Gefällt mir.
So ein Sabbatjahr, das wär's, bildete ich mir immer ein. Danach wäre alles besser und anders, eine Leichtigkeit, ich frisch, erholt und voller Erkenntnisse. Tja, Letzteres trifft sogar zu und damit leider auch die Erkenntnis, dass trotz Sabbats nix besser ist. Der erste Arbeitstag rückt immer näher und damit vor allem das ganz starke Bauchgefühl, dass es auch der letzte sein sollte. Jahrelang habe ich gedacht, ich müsste mich selbst verbessern, damit alles besser wird. Nun weiß ich, ich hab mich geirrt. Ich bin schon eine ganz gute Version meiner selbst, aber an diesem Arbeitsplatz wird das nie genug sein.
Will ich für ein Unternehmen arbeiten, in dem eher noch ein dritter Schrank für die Fälle, die nicht abgearbeitet werden können, gekauft wird, um sie darin zu stapeln? Nein, danke.
Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, was nicht stimmt. Priorität hat ja jeweils, dass mit dem Mitarbeiter etwas nicht stimmt, also mit mir. Immer soll man sich selbst verbessern, damit nur niemand die Firma verbessert. Lücken im System? Gibt es nicht - jedenfalls so lange, wie es noch genug Arschkriecher und Bücklinge gibt, die Lücken mit letzter eigener Kraft verschließen. Ich will mir nicht mehr einreden lassen, dass ich nicht qualifiziert bin, sollte ich dazu nicht bereit sein. Und ich bin grundsätzlich zu vielem bereit. Aber u.a. nicht mehr dazu, dabei zuzusehen, wie Führungspositionen besetzt und Probleme ausgesessen werden, wie Schleimerei als Qualifikation verstanden wird.
Und der Vorwurf, man sei doch gerade im sozialen Bereich nicht berechtigt die Arbeit liegen zu lassen, die man nicht schafft... Ethisch ist das vielleicht dem Hilfebedürftigen gegenüber korrekt, aber dem Arbeiter gegenüber ist es das ALLERLETZTE (gerade, wenn der Chef o.g. Schrank anschafft, aber nach unten tritt und Druck macht)!!! Ich will mir nicht vorwerfen lassen, ich würde nicht an die Menschen denken, für die wir etwas tun müssen. Im Gegenteil. Ich denke vor allem an die Menschen, mit denen wir zu tun haben. Denen ist nicht geholfen, wenn mir keiner hilft, den Job ordentlich und sinnhaft zu machen. Es ist schon erstaunlich, wie gerade in sozialen Berufen die Menschen untereinander exorbitant asozial handeln.
Ich bin dann mal weg.

Sonntag, 7. Februar 2016

Schöne Bescherung



Ich bin heute auch mal dazu gekommen unter den Weihnachtsgeschenktürmen meines Kindes meine eigenen freizulegen und ich bin entsetzt. Leider weiß ich nicht, wen ich jetzt hassen muss, aber irgendwer hat mir das Buch "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" geschenkt. Eine absolute Frechheit.
Ich bin schon voll auf Krawall, bevor ich da auch nur reingeguckt hab. Ich finde den Titel total bescheuert, genauso wie das Buch, deren Autorin behauptet, Französinnen würden nicht dick werden. Mmh, warum  Französinnen nicht dick werden... A) Stimmt, weil deutsche Frauen morgens, mittags und abends Eisbein essen und viel Bier dazu trinken oder B) die Autorin noch nie in Frankreich war oder C) während ihres Aufenthaltes aufgrund von zu viel Rotwein vorübergehend erblindete. Bedauerlicherweise ist ja selbst das Stilbewusstsein der meisten Franzosen der Globalisierung zum Opfer gefallen, wie auch ihre Ernährung.
Ich schweife ab. Französische Kinder sind also besonders gelungen. Die Autorin kennt wohl das französische Kind, das ich mit seiner Mutter immer im Budni treffe, nicht. Ach, wahrscheinlich wurde diese Familie des Landes verwiesen, weil die Erziehung total daneben geht bzw. nicht stattfindet.  Und nun müssen die armen Eltern bei Airbus in Hamburg arbeiten und unter fetten, ungepflegten Deutschen leben, die auch Kotzbrocken anstatt Kinder haben.
Das Allerschlimmste ist, dass ich die Franzosen liebe, ich nun aber das Buch habe, das wissenschaftlich und auch in jeder anderen Hinsicht lächerlich ist und mich dazu gezwungen hat, was Doofes über Franzosen zu schreiben... Dabei besteht die Hälfte meiner Familie aus Franzosen und ich würde sogar fast sagen DIE BESSERE HÄLFTE. Wer immer mir das geschenkt hat: Bitte melde dich!!!! Ich habe auch noch ein Geschenk für dich: Das Buch VOM BESCHENKUNGSLEGASTHENIKER zum GESCHENKESUPERSTAR!