Sonntag, 7. Februar 2016

Schöne Bescherung



Ich bin heute auch mal dazu gekommen unter den Weihnachtsgeschenktürmen meines Kindes meine eigenen freizulegen und ich bin entsetzt. Leider weiß ich nicht, wen ich jetzt hassen muss, aber irgendwer hat mir das Buch "Warum französische Kinder keine Nervensägen sind" geschenkt. Eine absolute Frechheit.
Ich bin schon voll auf Krawall, bevor ich da auch nur reingeguckt hab. Ich finde den Titel total bescheuert, genauso wie das Buch, deren Autorin behauptet, Französinnen würden nicht dick werden. Mmh, warum  Französinnen nicht dick werden... A) Stimmt, weil deutsche Frauen morgens, mittags und abends Eisbein essen und viel Bier dazu trinken oder B) die Autorin noch nie in Frankreich war oder C) während ihres Aufenthaltes aufgrund von zu viel Rotwein vorübergehend erblindete. Bedauerlicherweise ist ja selbst das Stilbewusstsein der meisten Franzosen der Globalisierung zum Opfer gefallen, wie auch ihre Ernährung.
Ich schweife ab. Französische Kinder sind also besonders gelungen. Die Autorin kennt wohl das französische Kind, das ich mit seiner Mutter immer im Budni treffe, nicht. Ach, wahrscheinlich wurde diese Familie des Landes verwiesen, weil die Erziehung total daneben geht bzw. nicht stattfindet.  Und nun müssen die armen Eltern bei Airbus in Hamburg arbeiten und unter fetten, ungepflegten Deutschen leben, die auch Kotzbrocken anstatt Kinder haben.
Das Allerschlimmste ist, dass ich die Franzosen liebe, ich nun aber das Buch habe, das wissenschaftlich und auch in jeder anderen Hinsicht lächerlich ist und mich dazu gezwungen hat, was Doofes über Franzosen zu schreiben... Dabei besteht die Hälfte meiner Familie aus Franzosen und ich würde sogar fast sagen DIE BESSERE HÄLFTE. Wer immer mir das geschenkt hat: Bitte melde dich!!!! Ich habe auch noch ein Geschenk für dich: Das Buch VOM BESCHENKUNGSLEGASTHENIKER zum GESCHENKESUPERSTAR!

Donnerstag, 14. Januar 2016

Sick and Tired

 
Als heute Morgen das Lied "sick and tired" im Radio lief, musste ich heulen. Irgendwie machte es PLING und mir wurde total klar, dass ich auch sick and tired of always being sick and tired bin. Seit zwei Wochen laufe ich in Panik durch mein Leben, es könnte wieder da sein: Sie, die Krankheit, die mich vor fast 15 Jahren umgehauen hat.
Seit drei Jahren ist das Glas immer halb voll. Ich krieche auf dem Zahnfleisch. Egal, was ich tue. Und, ich habe alles getan. Alles, was mir einfiel, was Ärzte, die nichts finden, empfohlen haben. Ich habe mich von Nadeln durchbohren lassen, Homöopathie ausprobiert, die Ernährung umgestellt, mich von oben bis unten durchsuchen lassen, Vitamine eingeworfen, Sport getrieben. Wenn die Kraft für ein Leben begrenzt ist, dann bin ich an der Grenze. Ich fühle mich zermürbt. Alles, was helfen sollte, hat nur zusätzlich Kraft gekostet. Und, nun steht die Untersuchung an, die Gewissheit bringen soll, die ich auch will. Natürlich will ich, dass sie nichts finden. Aber was ist es dann?
Was habe ich, das mir seit 3 Jahren jegliche Kraft raubt, am Körper zerrt? In Zeiten der Selbstoptimierung muss ich wohl davon ausgehen, dass ich mich nicht optimal verhalten habe. Es wird ja stets suggeriert, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Umdenken, umernähren, umsporteln und man ist ein vor Kraft strotzender Mensch, dem die Sonne nur so aus dem Arsch scheint, dass es andere Leute blendet. Nachdem ich diesen ganzen Scheiß ausprobiert habe, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass das alles totaler Quatsch ist. Das Einzige, was man tun muss, ist seine Probleme zu lösen, sofern es in unserer Macht steht und nicht gegen unser Naturell zu leben, auf sich selbst, sein Bauchgefühl zu hören. Für manche Menschen ist Fleisch wirklich das Gemüse und Helmut Schmidt ist mit diversen, als ungesund eingestuften Verhaltensweisen, fast 100 Jahre alt geworden. Vielleicht ist es Glück, vielleicht Vorbestimmung, vielleicht Karma. An was man auch immer glauben mag. Ich glaube jedenfalls nicht mehr daran, dass wir als Mensch wesentlichen Einfluss auf bestimmte Dinge haben. Wir bilden uns das gern ein. Alles muss planbar sein, organisiert werden, abgesichert sein. Wir, die Besserwisser, die Allmächtigen. Das Leben lacht uns aus und ist nicht sicher, und wir können schon gar nicht unsere Zukunft bestimmen.
Diese Erkenntnis hat mich heute Nachmittag ebenso erleichtert wie bestürzt.
Bestürzt, weil man manchmal einfach die Arschkarte ziehen kann. Jeder spielt die Hauptrolle in seinem Film, doch gibt es eben auch Kurzfilme. Da erzählt mir meine Mutter heute am Telefon, passend zu meinem Zustand, sie habe eine Frau kennengelernt, die ungefähr in meinem Alter sei, zwei Kinder habe, nun das zweite Mal Krebs hat, erst Brustkrebs und nun einen Gehirntumor. Die Frau sei total nett. Ein Horrorfilm.
Erleichtert hat mich die Erkenntnis meiner geringen Einflussnahme, weil ich einfach nur sein muss, soviel Unsinnigkeiten los lassen kann und vielleicht kommt dann die Kraft zurück, die den Film noch ganz lang und supi macht. Action!
 

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Und tschüss… 2015


Ich bin mir nicht sicher, ob ich froh bin, dich los zu sein, oder traurig, dass du gehst.

 

2015 sind Dinge passiert, die mir nie wieder passieren werden. Die einzigartig sind. Mein Baby wurde geboren. Das hübscheste, schlaueste und beste Baby der Welt. Versteht sich ja von selbst. Ein Baby, das es geschafft hat, dass Opas durch halb Europa fliegen, ihren ersten Flug im Leben machen, um es zu bewundern. Mein Vater hat mich noch nie besucht, 35 Jahre lang nicht. Opa war da.

Jeden Morgen geht die Sonne auf, wenn ich in das Bettchen schaue und sie geht erst unter, wenn wir das Baby schlafend wieder hineinlegen. Und selbst dann ist Sonne im Herzen; es macht Purzelbäume, wenn ich nur an mein kleines Schwrobbelchen denke.

 

2015 sind Dinge passiert, die hoffentlich nie wieder passieren werden. Krisen, Staatspleiten, Flüchtlingsdramen, Kriege, Terroranschläge, die Wiederentdeckung von Diktaturen mitten in Europa, der spürbare Klimawandel mit Frühling im Winter, halbherzige Versuche die Welt zu retten und gleichzeitig neue Atomkraftwerke zu bauen, Autos zu manipulieren. Menschen, die sich nicht einschränken wollen, um ihre Lebensqualität beizubehalten, aber noch nicht verstanden haben, dass durch ihren Lebensstil langfristig überhaupt kein Leben mehr möglich ist. Nach uns die Sintflut.

 

Und, was passiert mit dem Baby?

 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mehr Angst vor all dem habe oder ob die Wut gewinnt. Wut gegen die Dummheit, Trägheit – dieses Nichtstun, dieses Diskutieren und Verhandeln, ohne auch nur eine Konsequenz aus all den Katastrophen zu ziehen. Als hätte man ewig Zeit. Dabei ist die längst abgelaufen und kaum jemand versucht hinterherzulaufen. Und da kotzt du mich an 2015.