Sonntag, 21. Juli 2013

Gerupftes Huhn


Was für ein Wochenende! Es ist überstanden. Nur wie? Die Mutter brach über mich herein. Über uns. Zuerst ließ sie eine Wasserflasche in der Küche explodieren. Gut, für Zwanghafte wie mich eine mittlere Katastrophe, aber noch nicht weiter schlimm. Die schlechtgelaunte Schwester, die dann erschien - komm ich auch mit klar. Der Sommer ist zu heiß? Nicht für mich. Die IGS, eine überteuerte Veranstaltung, also known as Gartenschau - weder viel Garten noch viel zu schauen. Kann ich auch mit leben. Aber dann das. Ich hob den Hörer von Tiffys Körper ab und was musste ich erblicken? Schlonz. Mein befelltes Telefon, meine geliebte Fernsprecherin ist irreparabel beschlonzt! Und Mutti, die das Telefon kurz zuvor benutzt hat, behauptet DAS WAR ICH NICHT, DAS WAR SCHON SO! Nie im Leben.

(Vorher) Voller Anmut und Eleganz...
Trotz aller Bemühungen, die ich unternahm, die unbekannte Schlonzsubstanz aus dem Fell zu entfernen - es gelang einfach nicht und es blieb nur die Amputation. Meine Tiffy sieht nun aus wie ein gerupftes Huhn. Und dann der Vorschlag meines Freundes, der sich ohnehin weigert sie zu benutzen, weil es unmännlich sei, dass es doch sowieso Zeit wäre, endlich ein "ordentliches" Telefon zu kaufen. Nein, danke! Ich bin Sozialpädagogin. Ein Telefon mit Behinderung entsorge ich nicht. Und was heißt hier überhaupt ordentliches Telefon kaufen, wenn ich ein gerupftes Huhn mit Stil haben kann?!
 
... (Nachher) ein gerupftes Huhn mit Stil!
 

Freitag, 5. Juli 2013

Willkommen bei A+ *

*Name von der Redaktion geändert

Seit einiger Zeit ist es nicht mehr möglich, an mein Emailpostfach meines Telefonanbieters zu gelangen - genau genommen, seit dem Zeitpunkt, zu dem mein Anbieter von einem anderen verschluckt wurde. Es hat Tage gebraucht, um es immer wieder zu versuchen und um jeweils auch immer wieder die Startseite zu finden, von der aus man es dann noch einmal versuchen kann. Alles gescheitert! Trotz Beachtung sämtlicher Hinweise in Foren, die schon voll mit diesem Problem anderer verzweifelter Kunden sind: Nichts!! Mein größtes Erfolgserlebnis war, dass ich es geschafft habe, mich einzuloggen, um dann enttäuscht festzustellen, dass das Postfach über Stunden im Modus "Wird geladen" erstarrt und überhaupt nichts geladen wird.

Ich wollte um Lösung des Problems bitten, aber der direkte Weg ist ja nichts für A+: Die Telefonleitungen ständig besetzt oder auf Warteschleife gestellt. Dass die Internetseite an Unübersichtlichkeit kaum zu übertreffen ist, merkt man spätestens dann nochmal, wenn man sich aufgrund der schlechten telefonischen Erreichbarkeit dazu durchringt, das Kontaktformular auszufüllen, um den Kundenservice auf dieser Frequenz zu kontaktieren. Da verfestigt sich schnell der Eindruck, dass A+ gar keinen Wert auf Kontakt legt, denn ich wette, die Hälfte der Menschen, die das versuchen, ist erstens nicht richtig für das Ausfüllen des Formulars ausgebildet und die andere Hälfte total angenervt und schmeißt hin. Die drei, die sich doch durchbeißen, müssen ungefähr 80000 Fenster durchlaufen, Daten eingeben, die im Hinblick auf das Problem irrelevant sind, und ihr Problem in eine Kategorie einordnen, die es gar nicht gibt. Und, hat man es dann doch geschafft, alles auszufüllen, kommt der Hinweis auf die Hilfeseiten und das Online-Portal, mit denen man seine Probleme doch gefälligst selbst lösen könne. Wenn man anklickt, dass gerade dies nicht gelungen ist, kommt der nächste Fenster- und Ausfüllmarathon. Hallo??  Ich hätte es gleich wissen müssen!! Als mein Anbieter zu A+ mutiert ist, hatte ich schon ein schlechtes Gefühl und erinnerte mich sofort an den Handyvertrag, den Catrinel im Studentenwohnheim laufen hatte, wo angeblich ihre A+Homezone war und sie kostenlos telefonierte, A+ dann aber zum Ende des Monats trotzdem voll abrechnete.

A+ hat mir nun auch zurückgeschrieben. Eine Antwort, die nichts mit meinem Problem zu tun hat. Ich glaube, ich will auch nichts mehr mit A+ zu tun haben.

Samstag, 29. Juni 2013

Die bedauerliche Abwesenheit des Sommers


An Tagen wie diesen rolle ich mich direkt vom Bett auf die Couch - Na gut, vorher noch in die Küche zur Kaffeemaschine, kurz ins Bad und dann ins Wohnzimmer. Die Heizung mindestens auf Stufe 3 gestellt (man will ja im Sommer nicht erfrieren) und Tiffy direkt neben das Sofa. Wer will denn aufstehen, wenn das Telefon klingelt? Dass überhaupt was klingelt, ist zu laut. Darum würde ich auch nie auf die Idee kommen, mir am Wochenende einen Wecker zu stellen. Terminfrei!!!!! Ich habe an solchen Samstagen nicht mal ein Date mit meiner Dusche. Das einzige, was mich vom vollendeten Glück abhält, ist die Aussicht, heute noch einmal vor die Tür zu müssen, um irgendetwas Nahrhaftes zu besorgen – und, dass Tiffy vielleicht wirklich klingeln könnte, verursacht durch Leute, die ich nicht sprechen will. Aber wenigstens muss ich dafür nicht aufstehen, weil Tiffy sich ja bereits flauschig an mich kuschelt. Auf jeden Fall ist mit Mutti zu rechnen, die erfahren möchte, was es bei UNS denn heute zum Mittag gibt. UNS gibt es schon Ewigkeiten nicht mehr, jedenfalls nicht zusammen in dieser Wohnung. Es gab nur bisher nicht die richtige Gelegenheit, dies meiner Mutter mitzuteilen oder ich habe es irgendwie vergessen. Ganz abgesehen davon, dass ich auch früher niemals Mittag gekocht habe, denn mein Mittag ist Frühstück, quasi Frittag. Und genau um Drölf Uhr, also gegen Frittag, ruft dann mein Privatfranzose an, dessen Auszug ich bisher nicht öffentlich kundtat. Kurze Zeit später habe ich dann Druckstellen und Rücken und Nacken, denn so bequem ist mein Sofa nicht. Zur Erholung ein kleines Nickerchen. Wie herrlich, dass ich keinen Hund habe. Wie furchtbar, wenn ich nicht nur wegen des Einkaufes die Wohnung verlassen müsste, sondern auch um Gassi zu gehen und das mehrmals täglich. An solchen Samstagen mache ich - wenn es irgendwie vermeidbar ist - nämlich gar keine Nützlichkeitsdinge. Da wird auch der Wohnungsputz ersatzlos gestrichen. Und wenn schließlich das Pflichtmaß an Konversation erfüllt ist, schraube ich Tiffy auf lautlos. Vielleicht benutze ich sie nachher noch einmal, um doch nicht mehr einkaufen zu müssen. Wieso bestelle ich mir nicht einfach eine Pizza? Gut eingeteilt und mit viel Schlaf zwischendurch reicht die bis Montagmorgen. In diesem Sinne: Ein erholsames Wochenende.

PS: Ist das eigentlich schon eine Sommer-Depression? Ist die Sonne leer? Wird sie jemals wieder kommen? Und führt Vitamin-D-Mangel zur geistigen Umnachtung, wie hier zu beobachten, wenn aus Draußen-Menschen lahme Couch-Bewohner werden…?