Dienstag, 10. November 2015
Dumm und Dümmer
Auch, wenn ich mich wiederhole*: Ich glaube nicht an
Schwarmintelligenz. Schwarmintelligenz setzt ja voraus, dass es genügend
intelligente Menschen gibt, die sich bei Gelegenheit zu einem Schwarm
zusammenfinden, um Etwas, das es Wert ist, gut zu finden und zu unterstützen.
Aber; um mal wieder eines meiner Lieblingszitate zu bemühen: "Die meisten
Menschen sind ja auch dumm..." - und daher kaum in der Lage qualitativ
hochwertige Beiträge zu finden, geschweige denn zu verstehen. Ist das der Grund
dafür, dass sich Scheiße so unglaublich gut verbreitet und
gesellschaftlich etabliert?? Die bloße Entstehung eines Schwarmes zeugt nicht
von Intelligenz - wie aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen zeigen
oder die Followerzahl von irgendwelchen It-Girls bei Instagram beweisen.
Es kann ja nicht schlecht sein, wenn es so viele Leute
gut finden oder dabei mitmachen! Ich sage: Und ob!
Wo ist denn die Intelligenz der Leute, die in diesen
Tagen zu Tausenden ausschwärmen, um unmenschlich zu sein? Schon Oma wusste,
gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen und: Dumme Menschen sind gefährlich! (Sorry,
noch ‘ne Wiederholung…) Man kann daher ja wohl kaum den Dummbratzen glauben,
selbst wenn der Schwarm immer größer wird. Sie irren sich!!
Vielleicht verhält es sich in der Gesellschaft wie mit
der Gruppenarbeit in der Schule. Das Maximale in der Gruppenarbeit ist ja oft
nur ein kleiner gemeinsamer Nenner, auf den man sich einigen kann oder den der
Schreihals der Gruppe durchsetzt, obwohl er keine Ahnung hat, aber sich selbst
gern reden hört.
Jeder sollte sich die Frage stellen, ob es legitim
ist, seine Ruhe haben zu wollen und DIE mal machen zu lassen - in der
Gesellschaft wie in der Schule. Klar, mit Idioten spreche ich nicht. Müßig sie
durch Argumente zu erreichen, gar unmöglich. Aber eine Entschuldigung den
Schwarm nicht zu stoppen?
Letztlich ist der Mensch auch nur ein Säugetier und
die Natur ist nicht schmusig, so wie wir es uns gern einreden. Nicht Kuscheln
und Wellness, sondern fressen oder gefressen werden. Ist es vielleicht auch zu
viel erwartet, dass Tiere sich besser beherrschen und kultivierter,
durchdachter benehmen?
Ich bewundere den Dalai Lama. Nach all dem, was ihm
und seinem Volk widerfahren ist, glaubt er an ein gutes Ende für sich und die
Tibeter. Und das obwohl die Menschheit immer bekloppter wird und nach meinem
subjektiven Empfinden auch nichts dazulernt.
Das ist Glaube. Etwas, das ich unterwegs verloren
habe, den Glauben an die Menschheit. Ich möchte gern glauben.
Doch in meiner Welt erbrüllen sich die Dummen eine
Plattform während die Klugen nochmal darüber nachdenken. Und das führt mich zu
der Frage, ob nicht der Klügste auch richtig dumm ist.
Mittwoch, 7. Oktober 2015
Angst und Schrecken
Es flutscht irgendwie nicht. In Anbetracht der
weltpolitischen Lage mag es mir einfach nicht gelingen, mich über Banalitäten
zu beklagen. Ich fühle mich nicht legitimiert, etwas Schnödes zu verbreiten.
Vor ein paar Wochen dachte ich noch, ich hätte
Probleme: Alle technischen Geräte kaputt, Ebbe auf dem Konto und
Orientierungslosigkeit im alltäglichen Leben. Und dann fingen Leute an, sich
über tote Kinder im Mittelmeer zu freuen. Ich habe im Videotext nur von dem
Bild des kleinen Jungen gelesen und brach schon fast in Tränen aus. In den
Abendnachrichten habe ich es dann gesehen und auch, wie Polizisten in Ungarn
auf eine hochschwangere Frau einprügelten. Da war es aus.
Solche Bilder zeigen ganz deutlich das Versagen der
Menschheit, also auch mein Versagen. Ich habe mich noch nie so wenig von Nutzen
gefühlt, noch nie so wenig hilfreich. Früher wollte ich immer unbedingt für die
UN arbeiten. Für das Kinderhilfswerk oder die Flüchtlingshilfe. Im Moment habe
ich nicht das Gefühl, dass irgendwer da was tut, das sinnvoll ist. Machen die
was, außer auf sich aufmerksam? Was bringt es denn, wenn Hollywoodmiezen armen
Flüchtlingskindern mal über den Kopf tätscheln? Weltfrieden? Und, wo ist die
EU? Irgendwie fühlt sich da keiner mehr zugehörig, wenn er nicht kriegt, was er
will. Und keiner will Flüchtlinge.
Mein Problem ist es, dass ich immer die Probleme der
ganzen Welt lösen will. Sofort. Allein. Dabei komme ich nicht mal gegen die vor
Ort an.
Meine Freundesliste schrumpft stetig. Das macht mich
traurig. Nicht, weil ich viele Facebook-Freunde brauche - wer nie beliebt war,
muss sich zum Glück nicht bemühen, beliebt zu bleiben - sondern die Ursache des
Schwundes betrübt mich.
In einem Dorf, in dem ich früher auch mal wohnen
musste, sollen Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle einquartiert werden. Das Dorf
steht Kopf. Ein Dorf, in dem ich noch die Neue war, als ich nach 5 Jahren
wieder wegzog, und in dem es noch kein Mensch mit Migrationshintergrund
dauerhaft schaffte, sich niederzulassen.
Es war mir nie peinlich aus dem Osten zu kommen. Ich
hatte immer Heimweh nach Mecklenburg.
Im Moment schäme ich mich und Mecklenburg hat es mir
noch nie so einfach gemacht, es nicht zu vermissen. Menschenfeinde gibt es auch
in Hamburg. Als ich in die Wohnung einzog, musste ich Propaganda-Aufkleber in
der Kammer abkratzen, aber gefühlt bilden sie hier keine Wand, gegen die man
nicht ankommen kann. Eine Wand von Dummheit. Da beklagen sich Leute nach der
Einwohnerversammlung in dem Dorf auf Facebook darüber, dass sie kein
"Özdemir" als Bundeskanzler haben wollen. "Deutschland wird sich
währen." Und es wird schon mal angekündigt, dass er/sie weiß, wo bei der
nächsten Präsidentenwahl das Kreuz gemacht wird.
Ich meine, wo soll man denn da anfangen? Über jeden
Herrn Özdemir könnte sich dieses Dorf freuen. Vielleicht bietet Herr Özdemir
den Kommentatoren auch ein wenig Nachhilfe in Deutsch und Politik an, für
Leute, die sich "währen" wollen und glauben, dass wir hier einen
Präsidenten direkt wählen, für alle Herren und Frauen KOTZlowski oder wie
solche Menschen so heißen, die vom Familiennamen ausgehend schon mindestens Urgermanen
sind.
Ich persönlich habe ausschließlich Angst vor Dummheit.
Vor Menschen, die aus Dummheit Kriege führen und dafür sorgen, dass Millionen
Zuflucht suchen - ja, in Kauf nehmen, ihre Kinder auf dieser Flucht sterben zu
sehen oder selbst zu sterben - und vor den dummen Menschen unter uns, die
Propaganda-Internetseiten betreiben, vor Teilern, vor Brandstiftern, vor
Steinewerfern, vor Leuten, die in Berliner S-Bahnen Kinder mit
Migrationshintergrund bepinkeln und vor allem vor Leuten, die dabei zugucken
und denen, die (innerlich) applaudieren. Vor denen, die lange bevor ein
Flüchtling von weitem zu sehen ist, all das machen, was sie diesem an
kriminellen Handlungen unterstellen. Vor Menschen, die für Angst und Schrecken
sorgen.
Und, dann gibt es noch die, die auf den ersten Blick
und auch auf den zweiten nicht dumm sind, aber trotzdem unglaublich dumme
Sachen sagen, aber argumentieren und den Anschein von Seriosität und Wissenschaftlichkeit
erwecken. Durchaus logisch. Parteien, Gewerkschaften, Rechtsstaatsinstrumente,
die die Gunst der Stunde nutzen, um Menschenfeindlichkeit im Rahmen der
Meinungsfreiheit zu etablieren und gesellschaftsfähig zu machen. Gefährlich und
mit nicht weniger Angst und Schrecken.
Ich bin nicht blind und taub. Mir ist durchaus klar,
dass mit der Einreise von hunderttausenden Flüchtlingen das Problem nicht
behoben ist. In Deutschland fangen sie dann erst an, die Probleme. Aber es kann
keine Lösung sein, sich abzuschotten, unmenschlich zu sein, Aufnahme und Hilfe
zu verweigern. Ich glaube sogar, viele Chancen werden vertan, um Flüchtlinge
besser ankommen zu lassen und zu integrieren, weil die Regierung und ihre
Behörden schwerfällig, langsam sind.
Ich weigere mich einfach zu glauben, dass die Mehrheit
der Menschen in diesem Land in Angst und Schrecken leben will. Die Frage ist,
in was für einer Welt - oder zumindest in was für einem Land - jeder einzelne
von uns leben möchte. Ich gehe davon aus, in einem Land ohne Angst und
Schrecken. Dann ist die Antwort ganz einfach: Uns gegen die Menschen zu stellen,
die genau das verbreiten.
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