Montag, 2. September 2013

Sachverständig nichts verstanden


Manche Dinge versteh ich einfach nicht. Heute, zum Beispiel, da donnert mir eine Kollegin einen neuen Fall auf den Tisch. Natürlich eilig. Um zu prüfen, wie eilig es denn wirklich ist, hab ich schon mal die Akte quergelesen. Ich zitiere aus einem Gutachten, für das sich die Begutachtende stattlich bezahlen ließ: Ein zutraulicher, insgesamt aber verunsichert wirkender Hase, welchen sie vor einem Monat auf dem Fischmarkt gekauft habe, saß unter ihrem Schrank.

Also, das wirft doch einige Fragen auf! Wieso begutachtet die beauftragte Ärztin denn das Haustier des Menschen, den sie eigentlich untersuchen soll? Ich muss noch hinzufügen, dass es keinesfalls nur bei diesem einen Satz blieb. Dem Hasen wurden von fünf Seiten des Gutachtens eineinhalb gewidmet, ohne dass sich mir ein Sinn erschließt, schon gar keiner, der zielführend auf die Beantwortung der Fragestellung zusteuert, nämlich den Hilfebedarf der Person aus medizinischer Sicht einzuschätzen. Und wie soll ich mir denn bitte einen Hasen vorstellen, der sowohl zutraulich als auch verunsichert ist? Also, wenn irgendjemand so einen Hasen hat, der über diese Fähigkeit des Multitaskings verfügt, den bitte ich dringend um Übersendung eines Beweisfotos.

Was mit der armen Frau ist, um die es geht, werde ich morgen mal selbst überprüfen. Bei dem Hasen jedenfalls liegt weder Fremd- noch Eigengefährdung vor. Da bin ich schon mal beruhigt.

Sonntag, 11. August 2013

Blaues Wunder


Für eine Zugfahrt kaufte ich mir vor einigen Tagen ein Buch von der - so die Welt am Sonntag - "Spezialistin für den schlauen Frauenroman". Was soll ich sagen? Da ist es wohl schlecht um die Frauen bestellt oder die Definition von schlau hat sich verändert. "Eine köstliche Komödie über die Suche nach dem Glück.", so wie die Mitarbeiter der Cosmopolitan behaupteten, habe ich jedenfalls nicht gefunden. Liegt da vielleicht eine Verwechslung vor?

Ich bin nun auf Seite 150 und es ging noch um überhaupt nichts anderes, als um die Unzufriedenheit der weiblichen Hauptfigur mit den eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten und die (dämlichen und erniedrigenden) Versuche diese zu beheben. Das alles natürlich mit der Hilfe eines schwulen besten Freundes. Und alle sind der Überzeugung, dass das Liebesglück im Allgemeinen vom Aussehen abhängt. So wird alles unternommen, um dem Auserwählten hinterher zu hecheln und ihn zurück zu erobern, wobei anzumerken ist, dass die mit ihm geführte Beziehung, wenn man sie denn überhaupt so nennen darf, ganze zwei Wochen Bestand hatte, die Hauptfigur aber so leidet, als hätte sie eine 80jährige Ehe zu verarbeiten und sich in einem nicht nachvollziehbaren Liebeskummer suhlt. Nebenbei geht sie einem Beruf nach, der zwar unspektakulär klingt, aber - gemessen an ihren im Buch getätigten Ausgaben - unglaublich viel Geld einbringen muss. Sollte ich auch anfangen in einem Reisebüro zu arbeiten? Von mehr als einer Nebentätigkeit kann man im Übrigen wirklich nicht ausgehen, denn obwohl sie vollzeitbeschäftigt ist, verbringt die Frau die meiste Zeit des Arbeitstages damit, in ihrem Selbstmitleid zu ersaufen, wenn sie nicht gerade Sekt trinkt.

Und als ich gedacht habe, dass es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen kann, gebar eine Bekannte der Hauptfigur ein Kind, das sie auf den Namen Claire taufte. Erst in der Kirche bei der Taufe sei dann aufgefallen, dass das Baby die Last des vollständigen Namens Claire Grube trage. Ja, nee, ist klar. Als ich 8 Jahre alt war, ist mir Claire Grube auch schon mal begegnet - genau wie ihre Freunde Axel Schweiß und Mario Arner. So ein Schwachsinn.

Frauen, die solche Bücher geil finden, stehen auch auf George Clooney und Leonardo DiCaprio - Männer, die offensichtlich beziehungsunfähig sind und über die sie sich dann einbilden, sie würden sich eines Tages für immer fest binden, wenn sie erst die Richtige gefunden haben - in den meisten Fällen natürlich die Einbildende. Das sind Bücher für Frauen, die als Kind schon Prinzessin werden wollten, schöne Kleider begehrten und mit der Glaskugel spielten - und heute noch auf den Prinzen warten, der all ihre Probleme löst.

In meiner Kindheit wurde mir eingetrichtert, wie wertvoll Bücher seien und dass man diese auf gar keinen Fall wegschmeißt. Ich denke, nun - in der Generation Casting und Gehirnverlust - hätte auch meine Oma nichts dagegen, wenn ich die nichtssagende Pubertätsgeschichte einer 32jährigen im Klo herunterspüle.

Sonntag, 21. Juli 2013

Gerupftes Huhn


Was für ein Wochenende! Es ist überstanden. Nur wie? Die Mutter brach über mich herein. Über uns. Zuerst ließ sie eine Wasserflasche in der Küche explodieren. Gut, für Zwanghafte wie mich eine mittlere Katastrophe, aber noch nicht weiter schlimm. Die schlechtgelaunte Schwester, die dann erschien - komm ich auch mit klar. Der Sommer ist zu heiß? Nicht für mich. Die IGS, eine überteuerte Veranstaltung, also known as Gartenschau - weder viel Garten noch viel zu schauen. Kann ich auch mit leben. Aber dann das. Ich hob den Hörer von Tiffys Körper ab und was musste ich erblicken? Schlonz. Mein befelltes Telefon, meine geliebte Fernsprecherin ist irreparabel beschlonzt! Und Mutti, die das Telefon kurz zuvor benutzt hat, behauptet DAS WAR ICH NICHT, DAS WAR SCHON SO! Nie im Leben.

(Vorher) Voller Anmut und Eleganz...
Trotz aller Bemühungen, die ich unternahm, die unbekannte Schlonzsubstanz aus dem Fell zu entfernen - es gelang einfach nicht und es blieb nur die Amputation. Meine Tiffy sieht nun aus wie ein gerupftes Huhn. Und dann der Vorschlag meines Freundes, der sich ohnehin weigert sie zu benutzen, weil es unmännlich sei, dass es doch sowieso Zeit wäre, endlich ein "ordentliches" Telefon zu kaufen. Nein, danke! Ich bin Sozialpädagogin. Ein Telefon mit Behinderung entsorge ich nicht. Und was heißt hier überhaupt ordentliches Telefon kaufen, wenn ich ein gerupftes Huhn mit Stil haben kann?!
 
... (Nachher) ein gerupftes Huhn mit Stil!