Freitag, 5. Juli 2013

Willkommen bei A+ *

*Name von der Redaktion geändert

Seit einiger Zeit ist es nicht mehr möglich, an mein Emailpostfach meines Telefonanbieters zu gelangen - genau genommen, seit dem Zeitpunkt, zu dem mein Anbieter von einem anderen verschluckt wurde. Es hat Tage gebraucht, um es immer wieder zu versuchen und um jeweils auch immer wieder die Startseite zu finden, von der aus man es dann noch einmal versuchen kann. Alles gescheitert! Trotz Beachtung sämtlicher Hinweise in Foren, die schon voll mit diesem Problem anderer verzweifelter Kunden sind: Nichts!! Mein größtes Erfolgserlebnis war, dass ich es geschafft habe, mich einzuloggen, um dann enttäuscht festzustellen, dass das Postfach über Stunden im Modus "Wird geladen" erstarrt und überhaupt nichts geladen wird.

Ich wollte um Lösung des Problems bitten, aber der direkte Weg ist ja nichts für A+: Die Telefonleitungen ständig besetzt oder auf Warteschleife gestellt. Dass die Internetseite an Unübersichtlichkeit kaum zu übertreffen ist, merkt man spätestens dann nochmal, wenn man sich aufgrund der schlechten telefonischen Erreichbarkeit dazu durchringt, das Kontaktformular auszufüllen, um den Kundenservice auf dieser Frequenz zu kontaktieren. Da verfestigt sich schnell der Eindruck, dass A+ gar keinen Wert auf Kontakt legt, denn ich wette, die Hälfte der Menschen, die das versuchen, ist erstens nicht richtig für das Ausfüllen des Formulars ausgebildet und die andere Hälfte total angenervt und schmeißt hin. Die drei, die sich doch durchbeißen, müssen ungefähr 80000 Fenster durchlaufen, Daten eingeben, die im Hinblick auf das Problem irrelevant sind, und ihr Problem in eine Kategorie einordnen, die es gar nicht gibt. Und, hat man es dann doch geschafft, alles auszufüllen, kommt der Hinweis auf die Hilfeseiten und das Online-Portal, mit denen man seine Probleme doch gefälligst selbst lösen könne. Wenn man anklickt, dass gerade dies nicht gelungen ist, kommt der nächste Fenster- und Ausfüllmarathon. Hallo??  Ich hätte es gleich wissen müssen!! Als mein Anbieter zu A+ mutiert ist, hatte ich schon ein schlechtes Gefühl und erinnerte mich sofort an den Handyvertrag, den Catrinel im Studentenwohnheim laufen hatte, wo angeblich ihre A+Homezone war und sie kostenlos telefonierte, A+ dann aber zum Ende des Monats trotzdem voll abrechnete.

A+ hat mir nun auch zurückgeschrieben. Eine Antwort, die nichts mit meinem Problem zu tun hat. Ich glaube, ich will auch nichts mehr mit A+ zu tun haben.

Samstag, 29. Juni 2013

Die bedauerliche Abwesenheit des Sommers


An Tagen wie diesen rolle ich mich direkt vom Bett auf die Couch - Na gut, vorher noch in die Küche zur Kaffeemaschine, kurz ins Bad und dann ins Wohnzimmer. Die Heizung mindestens auf Stufe 3 gestellt (man will ja im Sommer nicht erfrieren) und Tiffy direkt neben das Sofa. Wer will denn aufstehen, wenn das Telefon klingelt? Dass überhaupt was klingelt, ist zu laut. Darum würde ich auch nie auf die Idee kommen, mir am Wochenende einen Wecker zu stellen. Terminfrei!!!!! Ich habe an solchen Samstagen nicht mal ein Date mit meiner Dusche. Das einzige, was mich vom vollendeten Glück abhält, ist die Aussicht, heute noch einmal vor die Tür zu müssen, um irgendetwas Nahrhaftes zu besorgen – und, dass Tiffy vielleicht wirklich klingeln könnte, verursacht durch Leute, die ich nicht sprechen will. Aber wenigstens muss ich dafür nicht aufstehen, weil Tiffy sich ja bereits flauschig an mich kuschelt. Auf jeden Fall ist mit Mutti zu rechnen, die erfahren möchte, was es bei UNS denn heute zum Mittag gibt. UNS gibt es schon Ewigkeiten nicht mehr, jedenfalls nicht zusammen in dieser Wohnung. Es gab nur bisher nicht die richtige Gelegenheit, dies meiner Mutter mitzuteilen oder ich habe es irgendwie vergessen. Ganz abgesehen davon, dass ich auch früher niemals Mittag gekocht habe, denn mein Mittag ist Frühstück, quasi Frittag. Und genau um Drölf Uhr, also gegen Frittag, ruft dann mein Privatfranzose an, dessen Auszug ich bisher nicht öffentlich kundtat. Kurze Zeit später habe ich dann Druckstellen und Rücken und Nacken, denn so bequem ist mein Sofa nicht. Zur Erholung ein kleines Nickerchen. Wie herrlich, dass ich keinen Hund habe. Wie furchtbar, wenn ich nicht nur wegen des Einkaufes die Wohnung verlassen müsste, sondern auch um Gassi zu gehen und das mehrmals täglich. An solchen Samstagen mache ich - wenn es irgendwie vermeidbar ist - nämlich gar keine Nützlichkeitsdinge. Da wird auch der Wohnungsputz ersatzlos gestrichen. Und wenn schließlich das Pflichtmaß an Konversation erfüllt ist, schraube ich Tiffy auf lautlos. Vielleicht benutze ich sie nachher noch einmal, um doch nicht mehr einkaufen zu müssen. Wieso bestelle ich mir nicht einfach eine Pizza? Gut eingeteilt und mit viel Schlaf zwischendurch reicht die bis Montagmorgen. In diesem Sinne: Ein erholsames Wochenende.

PS: Ist das eigentlich schon eine Sommer-Depression? Ist die Sonne leer? Wird sie jemals wieder kommen? Und führt Vitamin-D-Mangel zur geistigen Umnachtung, wie hier zu beobachten, wenn aus Draußen-Menschen lahme Couch-Bewohner werden…?

Dienstag, 18. Juni 2013

Die Pest ist überall

Ich gehe immer allein zu Konzerten. Die letzten Male, die ich in Begleitung erschien - tja, danach waren die jeweiligen Beziehungen einfach nicht mehr dieselben. Andere Menschen neigen eher doch nicht so zum Ausdruckstanz oder zur Hingabe im Allgemeinen. So muss ich mich über niemanden ärgern, der einen Stock im Arsch hat und mir den Abend versaut. Doch weit gefehlt. Die Pest ist überall!
Es ist gestern wie heute, dass ich Menschen nicht verstehe, die zu einem Rock-Konzert gehen, um dann die ganze Nacht regungslos auf ihrem Stuhl zu verharren. Aber seit gestern Abend kenne ich eine noch viel schlimmere Art: Die, die sitzen bleiben und nur aufstehen, um mit ihrem hochgehaltenen Smartphone und dickem Oberarm die Sicht zu versperren.
Das Bürschchen neben mir jedenfalls hat nur an seinem Smartphone herumgespielt, fotografiert und gefilmt, gepostet und Kommentare kommentiert und dann jeweils den Apparat an seine drei gelangweilten Begleiterinnen weitergereicht, die anstatt auf die Bühne zu schauen, die unmittelbar vor uns aufgebaut war, aufs Gerät starrten oder wahlweise andere Menschen, die offensichtlich mehr Spaß hatten als sie selbst, auszulachen.
Die waren überhaupt nicht bei der Sache. Wenn der Rock 'n Roll nicht schon tot war, dann wurde er spätestens durch soziale Netzwerke ermordet. Nichts geht doch über den Moment, den man selbst erlebt hat, wo weder Vergangenheit noch Zukunft eine Rolle spielen. Die coolen Kids sollen zu Hause bleiben, wenn sie mir nur im Weg stehen wollen. Ich empfinde Mitleid, insbesondere für all diejenigen, die über zwei Stunden ein super Konzert verpasst haben, weil sie ununterbrochen damit beschäftigt waren, die total beschissenen Fotos zu machen, die heute tausendfach im Internet zu finden sind. Die besten Bilder sind im Kopf. Mein Kopf ist voll und auf den Bildern erkennt man sogar was!