Der kleinste
gemeinsame Nenner reicht aus, um einen Hit zu statuieren. Bei tausenden von
Kommentaren oder Klicks - ja, da hat man es wohl geschafft. Soll die
Schwarmintelligenz sein, von der ich in letzter Zeit so oft hörte. Aber, darf
und kann man da überhaupt von Intelligenz sprechen und wenn ja, was sagt das
dann über einen selbst aus? Zum Beispiel über die Sprecherin von YouTube, die
ich kürzlich im TV sah, bei der Behauptung, durch diese Art von Intelligenz
würden qualitativ gute Beiträge immer denen überlegen sein, die nicht so gut
sind. Der Schwarm hat immer Recht! Alle eingestellten Beiträge auf YouTube
könne man nicht kontrollieren. Die Kontrolle erfolge aber zwangsläufig durch
den Schwarm, also die Konsumenten. Mmh, ich frage mich: Was ist, wenn die
Kontrolle durch den Schwarm versagt, weil alle aus Versehen oder zunächst
vielleicht auch mit Interesse draufgeklickt haben, aber erst später
feststellen, dass es strunzdoof ist, was sie da anschauen? Oder Idioten klicken?! Dann würde die Masse
im schlimmsten Fall überhaupt nichts über die Klasse aussagen. Das Wort
Schwarmintelligenz in Bezug auf Qualitätskontrolle im Internet ist demnach
genauso bescheuert wie das Wort Nutzererlebnis. An beides glauben nur Leute,
die sonst kein Leben mit Inhalt haben. Ich muss sagen, es geht mir insgesamt
langsam auf den Geist, dass so Wenig Substanz hat und Werte aufgegeben werden,
nur weil man die Konfrontation scheut oder es zuviel Arbeit macht. Und ich
möchte mit den Worten von Anatole France ergänzen: Wenn 50 Millionen
Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit.
Sonntag, 2. Dezember 2012
Sonntag, 25. November 2012
Todesnachricht
Ich will ja nicht pingelig sein, aber es sollte
Verwandten strengstens untersagt werden, Emails mit dem Betreff
"Todesanzeige" zu schreiben und dann auch noch zu verschicken. Wie
grausam ist das denn?? Ich schwöre, mir gingen in der Sekunde, in der mir das
ins Auge sprang, ungefähr fünfzig furchtbare Szenarien durch den Kopf, um dann
schließlich zu erfahren, dass meine Mutter um eine ihr nahestehende Nachbarin
trauert, die kürzlich einer Krebserkrankung erlegen ist. Grausam! Nicht, dass
ich den Tod verdränge, aber möchte ich doch lieber persönlich darüber
informiert werden. Per Email geht gar nicht. Das ist wie Schluss machen per
SMS. Oder bin ich da mal wieder nicht up to date? Ich rief gleich zu Hause an
und reichte Beschwerde ein, aber meine Mutter kommentierte das nur ganz
trocken, ich solle mal nicht so eine Welle machen. Mein Freund zeigte sich
diesbezüglich auch eher leidenschaftslos. Alle völlige Beziehungslegastheniker,
Gefühlsidioten und Kommunikationsbeeinträchtigte? Wie konnte ich nur so lange
in dieser Familie überleben?
Donnerstag, 22. November 2012
Dreißig über Nacht
Neulich Abend bei meiner Mutter. Sie: Komm mal her...! Und dann in meinen
Haaren fummelnd: Mensch, du kriegst auch
schon ein graues Haar! Mein erstes graues Haar hatte ich auch mit Anfang
dreißig!
Nein,
kriege ich nicht! Hab ich nicht! Die spinnt wohl! Und wer ist hier Anfang
dreißig??
Aber: Recht hat sie. Und eine Falte habe ich
auch. Das weiß ich spätestens, seitdem ich neulich eine alte Bekannte getroffen
habe, die zuerst vorgab mich nicht erkannt zu haben, um dann zu behaupten, das
läge daran, dass ich mich komplett verändert hätte. Mir sei das Kindliche aus
dem Gesicht gewichen!
Frechheit!!
Kurz dachte ich daran, dass ihr Gesicht auch
weichen sollte: Meiner Faust! Davon habe ich abgesehen. Ich bin ja nicht nur
alt, sondern auch weise.
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