Samstag, 17. November 2012

Winterzauber

Man gewöhnt sich ja an alles. Sogar an gelangweilte, übersättigte Kinder, die zu nachtschlafender Zeit am 31. Oktober an Türen klingeln, aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, die mehr oder weniger motiviert einen Spruch aufsagen und die dann unzufrieden mit dem sind, was man ihnen in das eigens für diesen Tag industriell gestaltete Behältnis wirft. Da versuchen sie der alten Dame von nebenan anschließend doch lieber gleich etwas Kleingeld abzuschwatzen. Nur Bares ist Wahres. Das kann Kind nicht früh genug lernen.
Und heute? Heute ist der 17. November, wenn ich nicht irre und was sahen meine von der Erkältung noch leicht geschwollenen Augen?? Winterzauber am Wandsbek Markt? Hallo? Meine Uroma, eine sehr weise Frau, hat immer gesagt: Kein Advents- und Weihnachtsschmuck vor Totensonntag! Ich will hier gar nicht den Anschein erwecken, aus einer besonders bibelfesten Familie zu kommen, aber alles andere fühlt sich für mich irgendwie unnatürlich an. Dabei hatte ich mich gerade damit abgefunden (…und es hat Jahrzehnte gedauert!), dass bereits im August Schokoweihnachtsmänner zu haben sind, während alle Welt noch Tanga statt dicker Angora-Unterwäsche trägt und der Schokoweihnachtsmann auf dem Weg nach Hause vermutlich zu schmelzen beginnt.
Gerade diese Woche, als ich im Fieberwahn und flügellahm im Bus saß und mich zum Arzt keuchte, sah ich in dem einen oder anderen Vorgarten in Bramfeld schon mal einen Lichthirsch. Und die Woche davor waren irgendwo schon Fenster geschmückt und beleuchtet, als ich abends von der Arbeit kam. Ach, und nun heute das: Winterzauber. Nennt es, wie ihr wollt, aber für mich ist das ein Weihnachtsmarkt. Ich dachte, der Irrtum wäre einmalig, denn soweit ich erinnere, fand das im letzten Jahr schon statt und wurde von mir boykottiert. Soviel Glühwein kann ich gar nicht trinken, als dass es mir nicht mehr widerstrebt und ich meine Goldene Regel vergesse: Keine adventlichen und weihnachtlichen Anwandlungen in jedweder Form vor dem 1. Advent! Strikte Verweigerung! Aber dann geht es ab…

Mittwoch, 14. November 2012

Tiffy

Sollten Sie zu den armen Schweinen gehören, die kürzlich einen Antrag gestellt haben, der von unserer Dienststelle bearbeitet werden muss, so bitte ich um etwas Geduld. Montag kam das neue Telefon und am Donnerstag erst die Schulung dazu. Es bedurfte drei Tage intensivster Spielereien, um die neue Zeitfressmaschine insoweit bedienen zu können, als dass ich in der Lage bin, das möglich zu machen, was mit dem alten Telefon problemlos funktionierte. Ich arbeite nicht mal in der Verwaltung und war dennoch fast eine Woche ausschließlich mit der Selbst- und Telefonverwaltung beschäftigt. Wenn es sonst nix ist... Anstatt eines Telefons muss ich nun Nutzeroberflächen bedienen - mehrere an der Zahl. Multitasken. Updaten. Downloaden. Konfigurieren. Voicemail. Und ganz viel Beunruhigung, denn der Schulungsheini erzählte dann, als wäre es ein Grund zur Freude, dass 2015 auch das private Festnetztelefonieren auf dieses System umgestellt werde und der Endverbraucher, also ich, würde es wahrscheinlich nicht mal merken, es sei denn, er oder sie habe ein altes Telefon, das auf Internettelefonie nicht kann. Und da muss ich sagen: Ja, das habe ich bestimmt. Und nun habe ich auch noch Angst, dass dieses Telefon bald verstirbt. Tiffy und ich - das ist eine ganz große Liebesgeschichte. Wenn der (mir wohl unausweichlich zwangsweise aufgedrängte) Fortschritt Tiffy umbringt, dann schreib ich nur noch Briefe.

 
 

Montag, 12. November 2012

Frühbuchen lohnt sich! Ja, klar...

Hier mal eine kleine Ergänzung zu meinem Beitrag von letzter Woche. Ich möchte ja nicht klugsch***en, aber ich liebe es, wenn ich recht habe. Darum hat es mir ja fast gefallen, als ich heute drei Stunden im Wartezimmer einer völlig überfüllten Hausarztpraxis verweilen musste, um an die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu gelangen. Ich will nicht vergessen: Heute ist mein erster Urlaubstag! Und nur darum, habe ich mich überhaupt dem Wartezimmer und dem Hausarzt ausgesetzt, denn nachdem ich schon im letzten Urlaub krank war (Urlaub bekommt mir scheinbar nicht), wollte ich diesen nicht auch noch opfern.
Zur Sache: Natürlich hab ich nicht frühgebucht - weder beim Arzt (Obwohl es hier vielleicht ratsam wäre, denn dann wäre ich ja eventuell so schnell dran gewesen, wie der Privatpatient, den sie dazwischen gemogelt haben - Mmh, ist wohl doch eher 'ne Versicherungsfrage...) noch die Reise, die ich gestern antreten wollte. Und ich stelle fest: Weder früh- noch spätbuchen ist ratsam! Einfach losfahren! Sicherheit gibt es nicht. Der Maßstab ist der gegenwärtige Moment und dem ist meine Planung sch***egal. Gegenwart: Schwerer grippaler Infekt. (Noch gestern Abend dachte ich, ich läge im Sterben und da sagt man immer, Männer seien wehleidig... Tststs.)
Und, habe ich eine Reiserücktrittsversicherung oder eine Versicherung abgeschlossen, als ich den Fahrschein bei der Deutschen Bahn bestellte? Nö. Denn neben Planen, Vergewissern und Frühbuchen, glaube ich auch nicht an jede mir angebotene Versicherung. Und, was soll ich sagen? Die Welt dreht sich weiter. Ich habe sogar ganz viel Geld zurückbekommen und das, obwohl ich sowohl die Unterkunft als auch die Fahrt gerade einmal vierundzwanzig Stunden vorher abbestellt habe. Pah. Und der Rest? Naja, ein bisschen Schwund ist immer. Mit Versicherungen bei Bahn und Unterkunft wäre der sogar noch größer, habe ich gerade mal recherchiert. Es hätte nicht (viel) mehr Rückerstattungsbetrag ergeben, aber dafür hätte ich noch teuer Geld bezahlt. Und die Moral von der Geschicht?? Planen, frühbuchen und versichern lohnt sich nicht!