Samstag, 28. Januar 2012
Freitag, 27. Januar 2012
Frau Starrke
Morgens halb zehn in Deutschland - im Büro, das eingerichtet ist wie ein Wohnzimmer. Nachdem sie die Jacke abgelegt hat, greift sie zum dicken Filzstift und durchkreuzt das heutige Datum. Nur noch 187 Tage. Dann können wir sie mal - und bis dahin ist ihr auch alles egal.
Früher war alles besser. Heute gibt es überall nur Anlass zum Jammern. Genau darüber. Die Laune ist total mies, insbesondere die von Frau Starrke. Den ganzen Tag ist sie mit dem Leben der anderen beschäftigt. Was macht der oder die gerade und vor allem: Was macht der oder die gerade falsch? Früher passierten nicht so viele Fehler. Früher wusste man ja noch, wie die Dinge erledigt werden müssen. Heute weiß sie es immer noch, aber will es keiner mehr von ihr wissen. Warum nur? Die Konzepte und Arbeitsweisen haben sich doch 30 Jahre lang bewährt!
Die Gesellschaft ändert sich? Aber nicht mit ihr! Der Bürger verursacht immer nur Probleme und versteht einfach nicht, wie das hier so läuft. Er ist grundsätzlich schon mal kognitiv gar nicht in der Lage die Komplexität unseres Amtes zu erfassen. Da kann man sich die Erklärungen auch gleich sparen. Zuviel sollte man ohnehin nicht preisgeben. Und im Grunde hat der Bürger auch meist falsche Vorstellungen darüber, was geht und was nicht. Wir sind doch hier nicht bei Wünsch dir was! Der Bürger weiß nicht, was gut für ihn ist. Der muss auch schon mal zu seinem Glück gezwungen werden. Hilft ja nichts. Was muss, das muss. Selbstbestimmung ist ja ganz schön, aber nicht so… (und auch nicht mit ihr). Und nun hat man auch noch die PC-Spiele im System gelöscht, was eine absolute Frechheit ist.
Da bemerkt Frau Starrke Rauchentwicklung. Mist, nun ist auch noch der Toaster kaputt! Und was ist mit Frühstück? So ein Stress! Hört das denn nie auf? Frau Starrke muss nun erst einmal zum Supermarkt gegenüber. Jacke wieder an - schnell runter, bevor sie gesehen wird, und schon wieder irgendjemand etwas will. Frühstück ist doch die wichtigste Mahlzeit des Tages. Und wenn sie sich nicht beeilt und nicht rechtzeitig zurück ist, dann gehen die Kollegen nachher ohne sie zum Mittag in die Kantine.
Samstag, 21. Januar 2012
Wenn Alles Nichts ist
Was ist eigentlich ein It-Girl? IT heißt doch ES und das ist eine Sache. Es geht immer nur um die Sache, aber niemals um die Sache an sich, sondern eigentlich lediglich darum, wie man die anhäuft. Sachen zum Anfassen, zum Angeben, Material. Material-Mädchen, Material Girl, Material World, It-Girl, Shit-Girl.
Die Sache hat keine Seele, so wie das Leben, welches durch Sachen bestimmt ist. Es kreist darum, wie man da steht, nicht, wer man wirklich ist. Darum weiß das auch niemand mehr. Wir wissen nur, wer wir sein sollten, um wer zu sein, um wiederum gut dazustehen. Aber gucken die meisten, die gut dastehen, weil sie in der Zeitung stehen, ziemlich dumm aus der Wäsche (sofern sie welche tragen, denn oft besteht die Leistung ja im Entkleiden, oft auch aus Versehen in der Öffentlichkeit…). Außen hui, innen pfui. Inhalte sind entbehrlich, solange das Äußere stimmt. Früher wollten Mädchen Krankenschwester oder Friseurin werden, heute Paris Hilton oder Daniela Katzenberger, Hauptsache berühmt und reich. Dazu ist jedes Mittel recht. Alles haben wollen, zu jedem Preis. Ist das eigentlich schon Prostitution, wenn man sich dafür nackig macht oder mit einflussreichen Kerlen anbändelt, sich von A nach B schubsen lässt, zu jeder Tages- und Nachtzeit? Kann ein Gerüst, das auf Selbsterniedrigung und Unterwürfigkeit beruht, stabil für die eigene Zukunft sein? Und wann wird es den Zuschauern endlich mal so langweilig, dass diese Entwicklung wieder abflaut – denn rein kognitiv gesehen sind Heerscharen von neuen Berühmtheiten oder öffentlichen Persönlichkeiten nicht gerade eine Herausforderung, eher ein Grund zur Besorgnis!? Ich meine, mal im Biologieunterricht gehört zu haben, dass Dinge, die der Mensch nicht gebraucht hat, sich im Laufe der Evolution zurückgebildet haben. Es besteht daher die begründete Angst, dass wir alle bald weniger Gehirn zur Verfügung haben, denn es wird nicht mehr gebraucht. Ist aber auch egal, dann sind wir ja alle dämlich und ich merk es auch nicht mehr. Alles eine Sache der Gewöhnung. Und, wenn es zu qualvoll wird oder zu lange dauert, mach ich es wie Die Ärzte: Und hat doch etwas Bestand, schmeiß an deine Wand, ich meinen Verstand! Und dann wird es irgendwann hoffentlich vorbei sein.
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